Worauf es beim Vergleich von Krankenversicherungen ankommt

GKV: Unterschied über Zusatzbeiträge und Wahltarife

Gesetzliche Krankenversicherung

Die gesetzliche Krankenversicherung (GKV) ist in ihren Preisen und Leistungen stark vom Gesetzgeber reglementiert (Sozialgesetzbuch V). Mit Inkrafttreten der Gesundheitsreform 2011 gilt für jede Krankenkasse grundsätzlich ein Beitragssatz von 15,5% des Bruttoeinkommens. Dazu kommt der Beitrag zur Pflegeversicherung, derzeit ca. 2% (ebenfalls mit Ausnahmen).

Künftig kann jede Krankenkasse außerdem einen beliebigen Zusatzbeitrag erheben, der sich aber nicht am Einkommen bemisst, sondern in Euro festgesetzt wird. Übersteigt der durchschnittliche Zusatzbeitrag 2% Ihres Brutto-Gehalts, erhalten Sie jedoch einen sog. Sozialausgleich in Höhe dieses Überschusses (Der durchschnittliche Zusatzbeitrag muss jedoch nicht mit Ihrem persönlichen Zusatzbeitrag übereinstimmen). Wie sich Zusatzbeitrag und Sozialausgleich für Ihre individuelle Einokmmenssituation entwickeln werden, können Sie in unserem Prognose-Rechner abschätzen lassen. Diesen Prognosen liegt eine Analyse der Universität Köln zugrunde, siehe auch:
FAQ: Welche Annahmen liegen der prognostizierten GKV-Beitragsentwicklung zugrunde?

Die gesetzlichen Krankenkassen unterscheiden sich damit derzeit kaum. Auch in Zukunft werden sie im Wesentlichen über unterscheidliche Zusatzbeiträge miteinander konkurrieren. Ein Vergleich erscheint also einfach. Seit wenigen Jahren bieten die meisten Krankenkassen jedoch auch andere Tarif-Varianten an (sog. Wahltarife), die z.B. einen Selbstbehalt bieten. Damit zahlen sie effektiv weniger Beiträge, haben aber höhere Zuzahlungen im Krankheitsfall. Ob sich dies für Sie lohnt, können Sie mit unserem Prognose-Rechner abschätzen.

PKV: Anderes Prinzip

Die Private Krankenversicherung (PKV) funktioniert anders. Sie ist nicht einkommensabhängig. Außerdem ist der Wechsel zwischen Privaten Krankenversicherungen problematisch und mit dem teilweise erheblichen finanziellen Nachteil des Verlusts von Altersrückstellungen verbunden.

Der Wechsel zurück in die GKV ist meistens auch nicht mehr möglich. Sie sollten daher sehr sorgfältig abwägen, ob sich eine Private im Hinblick auf Kosten und Leistungen für Sie lohnt. Auf der Kostenseite sollten Sie vor allem folgende Kriterien bei der PKV berücksichtigen:

Beiträge

Krankenversicherung Beiträge

Die anfänglichen Monatsbeiträge sind ein grober Indikator für die Preis- und Leistungsklasse eines Tarifs. Die tatsächlichen Kosten werden aber von anderen (nicht so gut sichtbaren) Faktoren mitbestimmt, siehe unten.

Zu beachten ist außerdem, dass die Beiträge im Lauf der Zeit erheblich steigen werden. Sie orientieren sich dabei im Wesentlichen an den im Alter steigenden Behandlungskosten. Die jährliche prozentuale Steigerung im Prognose-Rechner ist dabei jedoch nur eine vereinfachende Annahme. In der Praxis werden die Steigerungen sprunghafter ausfallen.

Unseriöse Anbieter ködern Neukunden mit auffallend niedrigen Beiträgen (z.B. 59€) und erhöhen diese dann mit dauerhaft extremen Steigerungsraten von z.B. 10% jährlich. Nachdem diese Steigerungen allein auf Marketingüberlegungen beruhen statt auf tatsächlichen Kostenentwicklungen sind sie kaum vorherzusehen. Daher raten wir von solchen Angeboten ab.

Selbstbehalt

Der Selbstbehalt kommt bei vielen Versicherungsarten vor, meist unter dem Namen Selbstbeteiligung. Ein Selbstbehalt von z.B. 1.200€ bedeutet, dass der Versicherte bis zu 1.200€ im Jahr für seine Arztleistungen selbst bezahlen muss. Erst danach springt die PKV ein und übernimmt die Kosten, die darüber hinaus gehen.

Selbstbehalt

Der Selbstbehalt gilt normalerweise für die Summe aller Rechnungen, man muss also nicht bei jeder Rechnung 1.200€ selbst bezahlen. Allerdings kann es sein, dass der Selbstbehalt nur für stationäre Behandlungen im Krankenhaus oder nur für Zahnbehandlungen gilt, für andere Kostenarten jedoch nicht. Der Prognose-Rechner stellt eigens Eingabefelder bereit, um auch dies berücksichtigen zu können.

Hatte man Behandlungen unter 1.200€, zahlt man in diesem Beispiel alles selbst. Dafür haben Tarife mit Selbstbehalt generell auch einen niedrigeren Monatsbeitrag. So könnte es sein, dass man durch einen Selbstbehalt von 1.200€ bereits 800€ im Jahr an Beiträgen spart. Ob sich ein hoher Selbstbehalt lohnt, hängt also davon ab, wie viele Behandlungen man in Anspruch nimmt. Dies lässt sich im Prognose-Rechner als Gesundheitsszenario modellieren.

Erstattungssatz

Nicht immer erstatten die Tarife 100% der Behandlungskosten. Dies gilt für PKV und GKV. Insbesondere beim Zahnersatz ist es üblich, dass der Patient grundsätzlich einen Teil selber zu tragen hat, also z.B. nur 50% oder 80% erstattet werden. Stationäre Behandlungen, also kostspielige Operationen und langfristige Krankenhaus-Aufenthalte, werden allerdings fast immer zu 100% übernommen.

Limit

Vor allem beim Zahnersatz gibt es manchmal einen Höchstbetrag, der pro Kalenderjahr von der Krankenversicherung übernommen wird, z.B. 4.000€. Teilweise steigt dieses Limit auch mit der Zahl der Versicherungsjahre an, so dass es im ersten Jahr z.B. nur 1.000€ beträgt, im zweiten 2.000€, usw. Kosten, die über diesen Wert hinaus gehen, trägt man dann jeweils selber.

Beitragsrückerstattung für leistungsfreie Jahre

Beitragsrückerstattung

Nimmt man als Versicherter in einem Jahr keine Leistungen in Anspruch (d.h. man reicht keine Rechnungen zur Erstattung bei der Krankenversicherung ein), so bekommt man bei einigen Tarifen der PKV eine Art Prämie ausbezahlt, z.B. 1,5 Monatsbeiträge.

In der Praxis würde man also erst dann Rechnungen bei der PKV einreichen, wenn sie den Wert der voraussichtlichen Rückerstattung überschreiten. Wird z.B. eine Rückerstattung von 300€ erwartet, ist es sinnvoll, Rechnungen im Gesamtwert von 200€ selbst zu begleichen. In Kombination mit einem Selbstbehalt kann dies eine attraktive Option sein, da in diesem Fall kleinere Behandlungskosten ohnehin selbst getragen werden.

Fazit

Bei einem Tarif-Angebot sollte man neben dem anfänglichen Monatsbeitrag vor allem auf den Selbstbehalt, die Erstattungssätze, Limits und die Beitragsrückerstattung achten. Außerdem gibt es oft einige Sonderregelungen, die teilweise wichtige zusätzliche Bedingungen oder Beschränkungen darstellen, sich teilweise aber auch nur auf kleinere Kostenfaktoren beziehen und vernachlässigbar sind.

Rechner Krankenversicherung

Da es sich bei den genannten Faktoren jedoch um vergleichsweise abstrakte Zahlen und Zusammenhänge handelt, ist es schwer als Mensch ein "Gefühl" für ihre Auswirkungen zu erlangen. Deshalb ist es gerade in diesem Bereich schwer, eine Entscheidung auf intuitiver Grundlage zu finden. Man sollte daher versuchen, die Auswirkungen der verschiedenen Tarif-Optionen zu quantifizieren, d.h. ganz konkret ausrechnen welche Kosten insgesamt - unter Berücksichtigung der verschiedenen Faktoren - entstehen.

Unser Prognose-Rechner hilft Ihnen dabei.